Drei Nächte und ein fremder Hafen

Schrill fiept das Blässhuhnküken. Und laut, schließlich ist es fast ausgewachsen. Das weckt mich das erste Mal. Die Luft draußen ist kalt, das Wasser mit 16 Grad doppelt so warm. Und so fühlt es sich an, als hätte die „Safaga“ eine Fußbodenheizung. Leichtes Schaukeln lässt mich weiter dösen. Später fährt ein Motorboot vorbei und der Schwell klatscht an das Heck des Lis Jollenkreuzers, jetzt bin ich wach! Ich habe wunderbar gemütlich geschlafen, die Sonne scheint nun durch das Fenster, jetzt nur noch aus der Kajüte krabbeln, duschen.

Am Tag vorher, Mittwoch Nachmittag, war ich im Hafen in Feldwies angekommen. Nach dem vielen Regen der letzten Tage hatten sich ein, zwei Liter Wasser in der Bilge gesammelt. Durchlüften, die Fock und das Großsegel anschlagen, meine Reisetasche und die Küchenbox verstauen. Als Wohnraumerweiterung spannte ich eine Plane 2x3m über den Baum, so blieb das Einstiegsluk und die Plicht trocken.

Innen wird es im Schein der Laterne mit Noppenmatratze und Schlafsack gemütlich. Jetzt musste ich dem Ladegerät nur noch die Nacht über Zeit lassen die Batterie aufzuladen. Es wurde meine erste Nacht auf der „Safaga“.

Auslaufen kurz vor zehn bei Sonnenschein. Das Wasser glitzert, der Wind steht günstig um sich auf den Weitsee hinaus zu wagen, Seebruck scheint erreichbar. Jetzt frischt der Wind etwas auf, Kurs am Wind. Doch schon um elf Uhr ist der Wind fast eingeschlafen und dreht. Seebruck wird heute nichts mehr, ich falle ab in Richtung Fraueninsel, das neue Ziel ist Prien. Zwei Stunden später wrigge ich am Südsteg der Fraueninsel vorbei.

 

Mehr als leichten Wind erwische ich heute nicht mehr. So bin ich froh als ich kurz nach drei Uhr den Hafen in Prien, die Stippelwerft, erreiche. Für rund 12,5 km habe ich über fünf Stunden gebraucht.Der Hafenmeister ist sehr freundlich, ein Übernachtungsplatz ist kein Problem. Als ich in den Innenhafen verhole bringt der Schwell der Ausflugsdampfer die Takelagen der Boote zum schwingen, es klingt wie Glockenläuten. Gegenüber dem Takelmast liegt die Safaga ruhig, bereits vorbereitet für die Nacht.

Neben der Werft liegt das Erlebnisbad Prienavera, gleich darauf schließt sich links die Seepromenade an. Hier legen auch die Linienschiffe zu den Inseln ab und bringen dabei den Schwell in den Hafen.

Bis zur Ortsmitte sind es etwa zwei Kilometer. Ich bummel ein wenig herum, gehe essen, danach wieder zurück in den Hafen. Die Schatten werden länger und auf dem Schwimmsteg am Wasser werde ich nach jedem vorbeiziehenden, großen Boot kräftig geschaukelt. Wie kräftiger Seegang kann man sich bei geschlossenen Augen vorstellen – und ich bin froh im Hafen ruhig vertäut zu liegen.

Am nächste Morgen wache ich auf und es ist Stille und Sonne. Nachts klopfte immer wieder leichter Regen auf die Plane, aber in die Kajüte kam kein Tropfen und auch die Reisetasche im Cockpit blieb trocken. Heute ist nur Katzenwäsche angesagt. Ich habe vergessen mir eine Duschmarke am Abend vorher zu besorgen und das Hafenbüro öffnet erst um neun Uhr. Da sitze ich schon beim „Wellness“-Frühstück auf der Uferpromenade.

Zurück in der Stippelwerft erkundige ich mich nach dem Wetter, zahle die neun Euro Liegeplatzgebühr und genieße noch ein wenig das Hafentreiben. Eine Sunbeam macht sich fertig ausgekrant zu werden, eine echte „bayerische Dhau“ wird für die Herbsttage zu Wasser gelassen. So schaue und trödel ich bis halb zwölf  bevor ich  die Leinen los mache, aus dem Hafen fahre.

Über den Bergen dräuen dunkle Wolken. Aber dafür gibt es zumindest etwas Wind. Erst ein , später wenigstens zwei BF. Das segeln macht Spaß, besonders weil ein größeres Boot viel Zeit braucht um die kleine Lis zu überholen, in der Windabdeckung meines Segels macht er lange keinen Meter gut. Liegt es an dem riesigen Clubstander den er unter der Steuerbord Saling führt? Zwar noch unter Bettuchgröße, aber trotzdem ein guter Bremsfallschirm? Der Skipper würdigt mich keines Blickes. Nach der Wende auf Backbordbug mache ich mehr Höhe und hole noch einmal auf, kreuze knapp hinter ihm sein Kielwasser. Aber dann segeln wir unterschiedliche Kurse.

Noch immer liegen dunkle Wolken schwer auf den Bergen, sie bilden aber nur die imposante Kulisse, es bleibt regenfrei. So drehe ich in der letzten Bucht vor Feldwies bei und genieße dieses Panorama bei der Essenspause. Das Großsegel ist jetzt schon verstaut und so plätschert die Lis gemächlich nur unter Fock zum Hafen zurück.

Sechs Uhr Morgends wecken mich Schüsse, Böllerschüsse. Fünfzehn Minuten hallen sie über den See. Nach zehn Minuten treffen die Schützen die Wolken und es beginnt zu regnen. Auch Wolken wollen Samstag Früh ihre Ruhe.

Ich rutsche tiefer in meinen Schlafsack, drehe mich um und schlafe wieder ein. Da wird mein Boot zum Steg gezogen. Ich blinzle raus, Gabi ist schon da! Schnell ein wenig Platz gemacht, sie kommt in die Kajüte und wir ratschen und dösen noch ein wenig, es ist ja erst sieben Uhr…

Das Wetter bleibt entgegen der Vorhersage sehr unbeständig, die Wolken verzeihen anscheinend die Böllerschüsse nicht. Gegen Mittag verzichten wir auf ein kaltes, nasses segeln und wollen im Primavera lieber in Wärme richtig nass werden. Im Sprudelbecken relaxen mit Blick aufs Königsschloss, das hat doch auch was!

Aus der ersten gemeinsamen Nacht auf unserem Boot wird nichts. Kurz vor 21 Uhr ziehen schwarze Gewitterwolken wie Gebirge über dem See auf. Blitze reichen von einem Seeende zum anderen, der Donner verrät dass das Gewitter noch einige Kilometer weg ist. So haben wir Zeit das Boot auszuräumen, die Segel und die Persenning zu verstauen und nach Hause zu fahren.

Drei Nächte und ein fremder Hafen waren Zeit die „Safaga“ besser kennen zu lernen.

Lis Jollenkreuzer

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